Kanal wird 180 Jahre alt

Noch immer sind Treidelschiffe unterwegs
Foto: Gabi Röhrl
NEUMARKT. Das längste noch vorhandene „nasse“ Stück liegt im Landkreis Neumarkt: Der Ludwig-Donau-Main-Kanal wird heuer 180 Jahre alt.
Auch wenn der alte Kanal wirtschaftlich genauso wenig ein Renner war wie sein Nachfolger gibt es zum Jubiläum Ausstellungen, Führungen und viele Treidel-Fahrten.
Am 15. Juli 1846 wurde das 172 Kilometer lange Wasserbauwerk eröffnet, das unter König Ludwig I. in nur zehn Jahren Bauzeit vom Main bei Bamberg bis zur Donau bei Kelheim entstand. Der Kanal war Teil der ersten durchgehenden schiffbaren Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer und sollte ein wichtiger Motor der wirtschaftlichen Entwicklung Bayerns werden. Freilich hatte der keine Chance gegen den schnellen technische Fortschritt im beginnenden Zeitalter der Eisenbahn.
In Neumarkt erinnert die Stadt zum Jubiläum mit der Wanderausstellung "Der Ludwig-Donau-Main-Kanal und das Treideln" an die Geschichte der Wasserstraße. Die Ausstellung ist vom 27. März bis 28. Mai im Foyer des Rathauses zu sehen. Konzipiert wurde sie vom Kulturbüro Berching. Auf 15 Tafeln dokumentiert sie die Arbeitswelt entlang des Kanals und rückt insbesondere das Treideln in den Mittelpunkt.
Das Treideln, bei dem Pferde die Lastkähne vom Ufer aus zogen, gehörte über Jahrzehnte zum Alltag am Kanal. Im Jahr 2025 wurde diese Technik in die Liste des Immateriellen Kulturerbes Bayerns aufgenommen. Was heute nahezu vergessen ist, war einst Voraussetzung für Handel und Versorgung in der Region.
Begleitend zur Ausstellung bieten Neumarkter Gästeführer am 15. Juli und am 6. September Führungen entlang des Kanals an.
Die Geschichtedes Kanals ist lang: Bereits vor mehr als 1200 Jahren ließ Karl der Große mit der sogenannten
Fossa Carolina einen ersten Kanalbau versuchen. Erst König Ludwig I. gelang es jedoch, das ambitionierte Projekt dauerhaft umzusetzen.
Der wirtschaftliche Durchbruch blieb dem Ludwigskanal wegen des rasanten Ausbaus der Eisenbahn allerdings verwehrt. Die historische Wasserstraße wandelte sich früh zu einem Freizeit- und Erholungsraum. Bis heute gelten die ehemaligen Treidelwege entlang der Ufer als attraktive Routen für Radfahrer und Wanderer. Die ebenen Wege führen vorbei an historischen Schleusen, naturnahen Uferlandschaften und Kunstprojekten am Kanal, etwa in Berg und Mühlhausen.
Ein besonderes Erlebnis bietet sich an der Schleuse Mühlhausen. Dort ist das historische Treidelschiff "Alma Viktoria" unterwegs. Das Schiff wird noch immer von kräftigen Kutschpferden gezogen. Besucher können diese entschleunigte Form der Fortbewegung selbst erleben und so ein Stück Technik- und Alltagsgeschichte unmittelbar nachvollziehen.
11.03.26
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